Der wahre Grund, warum ich die 80er so liebe.

„Always on my mind“ von den Pet Shop Boys! OH MY GOD! Das ist MEIN Lied! Ich dreh‘ durch!

Wie ein kleines Kind, das an der nĂ€chsten Straßenecke den schönsten Spielplatz der Welt entdeckt hat, renne ich los. Mein Spielplatz ist an diesem Abend die TanzflĂ€che! Voller Euphorie greife ich mir beim Sturm auf den Dancefloor (darf man Ü40 die TanzflĂ€che ĂŒberhaupt noch so nennen?) eine dieser blinkenden LED Lichtleisten, die der DJ eigentlich nur zur stimmungsvollen Illumination der Partylocation aufgestellt hat. Die blinken herrlich bunt und wechseln psychedelisch die Farben. Das Gute ist, dass sie mit Akkus, also ohne Kabel funktionieren und man einfach so mit ihnen herumfuchteln kann. In meinem Zustand – den ich an diesem Abend als „bisher moderat aber spĂŒrbar alkoholisiert“ bezeichnen wĂŒrde – das perfekte Party-Accessoire.

Freddie Mercury meets Pet Shop Boys 🙂

Dass irgendein angetrunkener Heini wie ich, diesen halben Meter Lichtleiste als imaginĂ€res Mikrofon missbraucht und damit wild ĂŒber die TanzflĂ€che tobt, wird der DJ wohl gar nicht gut heißen. Aber das ist mir in diesem Moment so was von scheißegal. Ich bin komplett im Partytunnel, singe mit meinem LED-Pseudomikro lauthals mit, tanze und singe jeden auf der TanzflĂ€che an und bin einfach nur in einem glĂŒcklichen Freudentaumel. Ich verrenke mich, mache tĂ€nzerisch pathetische Gesten und finde mich beim Refrain „YOU ARE AAAAALWAYS ON MY MIIIIIND, YOU ARE AAAAALWAYS ON MY MIIIIIIIIND!!!“ auf dem Boden kniend wieder, mein Spielzeug-Mikro mit theatralisch ausgestreckten Armen von oben herab vor mein Gesicht haltend, wie ein Schwertschlucker, der sich das Teil gleich tief in den Rachen schieben wird. Wahrscheinlich habe ich das mal bei Freddie Mercury gesehen. Der turnte ja auch immer mit seiner abgebrochenen Mikrofonstange ĂŒber die BĂŒhne.

Freddie Mercury machte das fast so gut wie ich. Zum GlĂŒck gibt’s so ein Bild vom besagten Abend nicht von mir. Aber so was in der Art muss ich wohl im Kopf gehabt haben, als ich mit meinem imaginĂ€ren Mikrofon ĂŒber die TanzflĂ€che tobte. Bildquelle: hunterschool (Stand 07.09.2022)

Ein Knaller nach dem anderen!

Leider verklingen gerade die letzten Töne der Pet Shop Boys und ich muss die LED-Leiste schnell zur Seite legen. Aber nicht weil der DJ mit mir gemeckert hĂ€tte, sondern weil ich schon total begeistert den Beginn des nĂ€chsten Songs vernehme: 

„Jeden Tag sitz ich am Wannsee, und ich hör’ den Wellen zu. Ich sitz hier auf meinem Handtuch – Ouhuuuu-Ouhuuuuuuu – doch ich finde keine Ruh’! Diese eine Liebe wird nie zu Ende geh’n. Wann werd’ ich sie wiedersehen?!“

Intro von „Westerland“ (Die Ärzte)

„Westerland“ von den Ärzten! „DJ, ICH LIEBE DICH!“ Dieser Gedanke torkelt mir an diesem Abend noch so einige Male durch mein angenehm vernebeltes Hirn, denn es folgt ein Knaller nach dem anderen: 99 Luftballons, Summer of ’69, Tainted Love, Take On Me, und, und, und. Es ist einfach so geil. 

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Perfekt eingepegelt fĂŒr die guten alten Zeiten! 😜

Nicht, dass ich sturzbesoffen wĂ€re. Aber ich bin hemmungslos genug, um nach Herzenslust zu tanzen, ohne mir einen Kopf darĂŒber zu machen, wie ich gerade so rĂŒberkomme. Damals, Ende der 80er, im noch jugendlichen Alter, da wĂ€re mir ein solcher Event keine einzige Zeile wert gewesen. Da erlebte ich so was streckenweise mehrmals pro Woche (nur heftiger) und fand das völlig normal. Aber heute, an einem dieser selten gewordenen Abende, löst die Musik von frĂŒher (und vielleicht auch mein Alkoholpegel) ein ganz besonders wohliges GefĂŒhl und die Erinnerung an eine Zeit aus, von der viele in meiner Generation behaupten, es war die geilste Zeit ĂŒberhaupt. Es waren die sogenannten „guten alten Zeiten“!

Die guten alten Zeiten:
Die guten alten Zeiten? Dazu gehörte auch immer eine Portion Bandsalat! Ein GlĂŒck, wenn du immer einen Bleistift zur Hand hattest!

„Meine Generation“! Das sind Menschen um die 50. Wenn die von den „guten alten Zeiten“ sprechen, dann meinen sie die Zeit, als wir unsere TV-Programme noch an einer Hand abzĂ€hlen konnten, unsere Telefone WĂ€hlscheiben hatten und wir unserer Lieblingsmusik tagelang im Radio hinterherjagen mussten, um selbige dann eilig auf einer Kassette aufzunehmen, wo uns dann im schlechtesten Fall auch noch ein nerviger Moderator mitten ins Lied quatschte. đŸ€ź

Was sind denn genau die „guten alten Zeiten“ eigentlich?

Ich frage mich manchmal, was wirklich damit gemeint ist, wenn wir von diesen „guten alten Zeiten“ sprechen. Wir meinen damit ja natĂŒrlich nicht den kalten Krieg, den Super-GAU von Tschernobyl, das Flugshow-UnglĂŒck von Ramstein oder die vielen anderen schrecklichen Katastrophen und menschlichen Tragödien von damals. Ich glaube, es geht uns ĂŒberhaupt nicht wirklich um die damalige Zeit im Sinne einer Epoche oder um die Art der Musik, der Mode oder des TV-Programms. Ich glaube, das wĂ€re alles austauschbar und es geht in Wahrheit nur darum, dass jeder von uns in diesen guten alten Zeiten ganz einfach eins war: JUNG!

Und wenn du jung bist, dann scheint das Leben und dann scheinen auch deine eigenen Möglichkeiten endlos zu sein. Du hast alles noch vor dir. Die ganz große Freiheit winkt und lĂ€chelt dir zu! Du bist ziemlich ahnungslos und kannst dir den Luxus leisten, Illusionen zu haben und naiv zu sein. Du hast Zeit zum Testen, Ausloten und Herumprobieren – vorausgesetzt, deine Eltern lassen dich … 😉 Das ganze Leben ist da noch wie eine weiße Leinwand, auf der du gerade die ersten Pinselstriche machst und selbst gespannt bist, was da wohl spĂ€ter einmal fĂŒr ein Gesamtkunstwerk entstehen wird.

Back to the 80ies

„Ich glaube, das wĂ€re alles austauschbar und es geht in Wahrheit nur darum, dass jeder von uns in diesen guten alten Zeiten ganz einfach eins war: JUNG!

Till Aigner, Hobby-Philosoph đŸ€Ł

Was mir bei den „guten alten Zeiten“ auch noch in den Sinn kommt, ist eine Art von Leichtigkeit, Sorglosigkeit und Übermut und ein GefĂŒhl, frei von Verantwortung gewesen zu sein. Das natĂŒrlich nur in der RĂŒckschau. Schließlich hat man auch in jungen Jahren seine Sorgen und Nöte gehabt. Aber das ist lange her und zwischenzeitlich ist so viel passiert, da erinnert man sich – vorausgesetzt, man ist hoffentlich nicht durch irgendetwas traumatisiert – doch am besten nur an die besonders schönen Dinge von damals.

Bin ich jetzt peinlich oder was?!

Apropos Verantwortung und Sorglosigkeit:

WĂ€hrend ich da an besagtem Abend so schön angeschickert und sorglos ĂŒber die TanzflĂ€che tobe, blicke ich plötzlich in die zwei etwas irritiert dreinblickenden Gesichter meiner beiden Teenager-Kinder, die mich so wie heute noch nicht erlebt haben. Tja, es gibt immer und fĂŒr alles ein erstes Mal.

Sie werden mir spĂ€ter noch sagen, dass das voll peinlich gewesen sei. Klar, in den Augen eines pubertierenden Jugendlichen ist so ziemlich jeder Vater und jede Mutter irgendwann und irgendwie peinlich, erst recht zu spĂ€ter Stunde auf der TanzflĂ€che, wenn die 80er dröhnen und es kein Halten mehr gibt. Wenn es einen Wettbewerb im Peinlich-Sein geben wĂŒrde, hĂ€tte ich ihrer Ansicht nach an diesem Abend wohl die Goldmedaille verdient.

Kinder. seid nicht so streng mit euren Eltern!
Kinder, seid nicht so streng mit euren Eltern! Die waren auch mal jung und möchten es eigentlich weiterhin noch gerne sein.

Was haben meine Kinder an diesem Abend ĂŒberhaupt neben der TanzflĂ€che verloren?

Nun ja, wir sind an diesem Abend auf einer Familienfeier, auf der Hochzeit meines Patenkindes bzw. meiner Nichte. Da wird es dann fĂŒr mich als Onkel schon zu einer gewissen Gratwanderung, wenn ich an so einem Tag einen auf „Ich will Spaß, ich geb Gas“ mache, gleichzeitig aber meine Nichte nicht in die Verlegenheit bringen will, sich vor ihren Freunden (die meisten so Anfang bis Mitte 20) fĂŒr ihren voll peinlichen Onkel rechtfertigen zu mĂŒssen. Das war zum GlĂŒck auch ĂŒberhaupt kein Thema, denn wir hatten einfach alle gemeinsam und generationenĂŒbergreifend einen richtig tollen Abend. Ich war freudig beeindruckt, die Jugend von heute total begeistert zu den Krachern von damals tanzen zu sehen. Die kannten die ganzen alten 80er Hits sogar wie aus dem FF. Die 80er gehören eben einfach doch zu den besten guten alten Zeiten aller Zeiten! đŸ˜ŽđŸ‘

Das soll es fĂŒr heute erstmal gewesen sein. Danke fĂŒr dein Interesse, bis bald und herzliche GrĂŒĂŸe,

Till Aigner

Level X GrĂŒnder und Autor. Motto: Die Midlife-Crisis als Chance und Abenteuer begreifen.

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4 Gedanken zu „Der wahre Grund, warum ich die 80er so liebe.“

  1. Danke fĂŒr diesen Artikel: ich fĂŒhlte mich in meine Jugend zurĂŒck versetzt. Denn auch ich war in dern 80ern JUNG und finde darum, dass es die besten guten alten Zeiten aller Zeiten sind 😉

    Der Artikel wird natĂŒrlich an die Leser:innen von trusted-blogs.com weiterempfohlen. Na klar!

    Beste GrĂŒĂŸe,
    Eddy

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    • Danke, lieber Eddy fĂŒr deine nette RĂŒckmeldung. Schön, dass ich dich ein bißchen mit in die „guten alten Zeiten“ nehmen konnte. Ich freue mich ĂŒber deine Weiterempfehlung bei euch auf trusted-blogs.com. đŸ€—

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  2. Was fĂŒr eine schöne Zeitreise in meine eigene Vergangenheit. Ein bißchen Wehmut und Nostalgie schwingt nach mittlerweile ĂŒber 30 Jahren mit. Der Blick nach vorn ist mir aber noch viel wichtiger. Da halte ich es mit Albert Einstein: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.”

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    • Hey Feli, vielen Dank fĂŒr dein Feedback. Du hast völlig recht. Es ist immer mal wieder schön, gedanklich in den „guten alten Zeiten“ zu schwelgen. Aber in der Zukunft spielt sich unser eigentliches Leben ab. Wobei … nicht mal das. Unser eigentliches Leben spielt sich tatsĂ€chlich nur in der Gegenwart ab. Das sollten wir nicht vergessen.

      Herzliche GrĂŒĂŸe, Till

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