Mein erster Weight Watchers Treff – eine dicke Überraschung

Tage­buch­ein­trag #4 zu meiner Midlife-Crisis: Auf der Suche nach den Elefantenmenschen.

Als ich an einem kalten Januarabend 2019 das Büro etwa eine Stunde früher als üblich verließ, um zum ersten Mal in meinem Leben zu einem Treffen der Weight Watchers zu gehen, dachte ich noch einmal an ein Zitat des Philo­sophen Paul Watzlawick:

Wenn Du immer wieder das tust, was Du immer schon getan hast, dann wirst Du immer wieder das bekommen, was Du immer schon bekommen hast. Wenn Du etwas Anderes haben willst, musst Du etwas Anderes tun!

Paul Watzlawick

Sind meine belastenden Weight Watchers Vorurteile berechtigt?

Das oben genannte Zitat von Paul Watzlawick hat mich trotz meiner Vorurteile gegenüber den Weight Watchers nur wenige Wochen zuvor maßgeblich motiviert, überhaupt Mitglied einer Gruppe zu werden, von der ich eigentlich dachte, trotz meiner fast 100 Kg dort nicht wirklich hinzugehören. Wie ich in einem meiner zurückliegenden Tagebucheinträge schon einmal schrieb, waren die Weight Watchers für mich bisher ein relativ abstraktes Gebilde, das mit mir – trotz etlicher Pfunde zu viel – nichts zu tun zu haben schien. Das mag arrogant klingen, aber mein Kopfkino diesbezüglich bestand bis dahin aus reinen Klischees und so dachte ich: ,,Sind die Weight Watchers nicht diese dicken, über­wiegend weiblichen Menschen, die sich im Stuhlkreis auf die Waage stellen und sich dann gegenseitig ihr Leid darüber klagen, wie fett sie sind? Nur um anschließend zu einer Tupperware- oder Kerzenparty zu rollen, wo sie es dann bei lecker Eierlikörchen und Knabbereien so richtig krachen lassen?“ Ja, tut mir leid, das war mein Bild von den Weight Watchers, auch wenn deren Marketing mit aller Kraft versuchte, ein deutlich cooleres Selbstbild mit irgendwelchen Promis zu zeichnen. So ganz traute ich dem Braten aber dennoch nicht, als ich mich am 30.12.2019 online als zahlendes Mitglied registrierte und noch am selben Tag damit begann, mich nach den Regeln der Weight Watchers zu ernähren.

Exkurs: Weight Watchers Prinzip

Die Ernährung der Weight Watchers (oder WW, wie sie sich mittlerweile nennen) beruht kurz gesagt auf dem Prinzip , dass Lebensmittel nicht mehr anhand ihrer Kalorien bewertet werden, sondern dass ihnen Punkte von etwa 0-5 zugewiesen werden. Nun hast du jeden Tag ein bestimmtes Kontingent an Punkten, welches du verfressen und versaufen kannst, wobei zum Beispiel eine Möhre, eine Salatgurke oder eine Tasse Tee Null Punkte haben, während ein Glas Rotwein, ein Schokoriegel oder ein Wiener Schnitzel mit mindestens 5 Punkten zu Buche schlagen. Wenn du dir jetzt vorstellst, dass du je nach Programm nur ein tägliches Kontingent von etwa 30 Punkten hast, dann wirst du sehr schnell lernen, was du dir im wahrsten Sinne des Wortes leisten kannst und was nicht.

Die Stunde der Wahrheit

Aber zurück zu dem Tag, als ich auf dem Weg zu meiner ersten WW-Session bin. Wer oder was würde mich da jetzt erwarten? Würde ich mich tatsächlich inmitten einer Herde von Elefantenmenschen wiederfinden? Ich meine, ich wog damals zwar auch an die 100 Kilo, war aber überzeugt davon, mit diesem Gewicht immer noch zur Fliegengewichtsklasse innerhalb der fettleibigen WW-Community zu zählen.

„Na geil!“, dachte ich, „Geht’s vielleicht noch ein bißchen indiskreter?!“ Da sprang ich nun schon über meinen fettleibigen Schatten und dann durften mich von draußen auch noch Passanten dabei begaffen, wie ich mich im Kreise der Elefantenmenschen zum Affen machen würde? Bei denen piept’s wohl.

Bin ich hier im Zoo oder was?!

Der Treffpunkt meiner WW-Gruppe befand sich im Erdgeschoss eines Bürogebäudes in der Innenstadt. Ich erreichte ihn in nur 20 Minuten Fußweg von meinem Büro aus. Das hatte ich mir extra so gelegt, um die ganze Sache möglichst effizient in meinen beruflichen und privaten Alltag integrieren zu können. Das Treffen würde wöchentlich immer montags stattfinden. Auch das spielte bei meiner Entscheidung für die passende Gruppe eine wichtige Rolle. Denn wenn ich wusste, dass ich mich am Montagabend unter Aufsicht auf eine Waage stellen muss, dann wäre das ein ziemlich starkes Argument, es am Wochenende zuvor nicht allzusehr krachen zu lassen.

Ich war außerordentlich pünktlich, dennoch waren schon einige Teilnehmer vor Ort. Der Raum hatte eine Bestuhlung für etwa 30 Leute und hatte zur Straße hin eine riesige Glasfront. „Na geil!“, dachte ich, „Geht’s vielleicht noch ein bißchen indiskreter?!“ Da sprang ich nun schon über meinen fettleibigen Schatten und dann durften mich von draußen auch noch Passanten dabei begaffen, wie ich mich im Kreise der Elefantenmenschen zum Affen machen würde? Bei denen piept’s wohl. Mein Fluchtinstinkt erwachte unverzüglich. Gleichzeitig schrieb ich in Gedanken bereits meine Kündigung an die Weight Watchers. Sollten diese fetten Menschen doch ihre Pfunde ohne mich ins Visier nehmen, mir würde schon noch was anderes einfallen, wie ich mir meinen Körper 2.0 erschaffe. Und überhaupt, das mit den Weight Watchers war doch sowieso die totale Schnapsidee von mir.

Die wirkliche Stunde der Wahrheit

„Aber Moment mal!“, schoss es mir plötzlich durch den Kopf, als ich noch einmal genauer durch die Fensterfront ins Innere des Raumes linste. Wo war denn nun die Herde dieser Elefantenmenschen, die ich erwartet hatte? Alle die dort saßen, waren so … so … hmm … durchschnittlich. Frauen und Männer gleichermaßen. Die einen etwas fülliger, die anderen etwas schlanker. Einige waren schon ordentlich dick, andere waren richtig dünn. Bei manchen fragte ich mich angesichts ihrer Körpermaße gar, was die da überhaupt wollten. Die sahen von ihrer Statur her so aus, als seien sie gerade den Marathon in 3 Stunden gelaufen. Was zum Henker hatten die bei den Weight Watchers verloren? Schlagartig waren meine Fluchtgedanken verschwunden. Das könnte ja wirklich interessant werden, mit all diesen Menschen ins Gespräch zu kommen.

„Aber Moment mal!“, schoss es mir plötzlich durch den Kopf. Wo war denn nun die Herde dieser Elefantenmenschen, die ich erwartet hatte?

Mein Abenteuer bei den Weight Watchers startet!

Nur wenige Minuten später zeigte ich drinnen meinen Mitgliedsausweis vor und war damit autorisiert, auf die berühmt-berüchtigte Weight-Watchers-Waage zu steigen, welche mein Startgewicht als Datensatz in meinen Stammdaten speicherte. Über eine App, die sich jedes Mitglied installieren durfte, hatte ich von nun an – neben zahlreichen anderen Funktionen – auch Zugriff auf meine Gewichtskurve. Die bestand an diesem Tag natürlich erstmal nur aus diesem ersten und einzigen Messpunkt, der wie erwartet viel zu weit oben rangierte. 20 Kg mussten runter. Das war mein Ziel. Ich war hochmotiviert, aber auch realistisch. Ein Jahr wollte ich mir Zeit geben, um mein Ziel auf gesunde Art und Weise zu erreichen und es dann auch halten zu können. Jetzt würde ich endlich das schaffen, wovon ich in meiner ersten Lebenshälfte immer geträumt hatte: rank und schlank, fit und sportlich und muskulös und, und, und …. Dass ich dabei einen kleinen Denkfehler hatte, merkte ich erst später. Aber das würde jetzt zu weit führen. Darüber berichte ich dir in einem meiner nächsten Artikel.

Das Treffen an diesem Abend gefiel mir richtig gut. Unsere Coacherin hatte eine angenehme Art und erschien sehr kompetent. Nach einer kurzen netten Vorstellungsrunde hatte ich auch ein gutes Bild von meinen Mitstreitern, deren Zielen und Motiven. Nun war ich also zum ersten Mal in meinem Leben ein Weight Watcher. Was für ein Abenteuer! Und noch einmal ging mir an diesem Abend der entscheidende Teil des Zitats von Paul Watzlawick durch den Kopf: „Wenn Du etwas Anderes haben willst, musst Du etwas Anderes tun!“. Das tat ich jetzt. Nun musste ich es „nur noch“ durchziehen. Ich hatte es schon zu oft vergeigt. Das kannst du gerne in meinem ersten Tagebucheintrag So fing alles an nachlesen. Wenn ich die Aufbruchsstimmung nutzen wollte, die mir meine Midlife-Crisis beschert hatte, dann war jetzt der perfekte Zeitpunkt für eine nachhaltige Wende in meinem Leben!

Das soll es für heute erstmal gewesen sein. Danke für dein Interesse, bis bald und herzliche Grüße,

Till Aigner

Level X Gründer und Autor. Motto: Die Midlife-Crisis als Chance und Abenteuer begreifen.

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