Die Weisheit der Stoiker

Der perfekte Einstieg in die Philosophie des Stoizismus.

Angaben zum Buch

Titel:Die Weisheit der Stoiker. Ein philosophischer Leitfaden für stürmische Zeiten
Autor:Massimo Pigliucci
Herausgeber:Piper Verlag GmbH; 3. Auflage (Februar 2020)
Seiten:288
ISBN 10:3492236758
ISBN-13978-3492236751
SpracheDeutsch

Inhalt (gem. Buchrücken / Klappentext)

Der Stoff, aus dem Tragödien sind.

Neid, Gier, Eifersucht oder Trauer – der Stoff aus dem Tragödien sind. Seit jeher übernehmen diese negativen Gefühle die Kontrolle über die Menschheit und verstellen den Blick auf das Wesentliche. Die Philosophie des Stoizismus erkannte bereits 400 vor Christus, welche Kraft ein Leben ohne zerstörerische Emotionen entfalten kann. Nicht Perfektion sollte demnach das Ziel unseres Strebens sein, sondern die Handlungsfähigkeit des Menschen. Philosoph Massimo Pigliucci entdeckt  diese antike Kunst der Gelassenheit für unsere Zeit neu, indem er lehrt, wie sich durch Achtsamkeit im Hier und Jetzt auch die Zukunft positiv gestalten lässt.

„Massimo Pigliucci lässt dem Zweifel Raum – missionarischer Eifer ist ihm fremd. So gelingt es ihm, in den Stoizismus einzuführen, ohne letztgültige Antworten zu postulieren.“

NZZ am Sonntag

Über den Autor

Massimo Pigliucci ist Professor für Philosophie am City College of New York. Er promovierte in Genetik an der Universität Ferrara, in Biologie an der Universität Connecticut und in Wissenschaftstheorie an der Universität Tennessee. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Beziehung zwischen Wissenschaft und Philosophie und die Natur der Pseudowissenschaft. (Stand: 20.09.2022)

Warum ich dieses Buch gelesen habe

Wenn ich anderen davon erzähle, dass ich daran arbeite, „Stoiker“ zu sein bzw. dass ich mich mit der stoischen Philosophie auseinandersetze, dann ernte ich häufig erstmal Fragezeichen, aber auch interessierte Rückfragen. Viele Menschen haben dabei den Ausdruck im Kopf, jemand würde etwas auf eine „stoische“ Art und Weise tun und verbinden damit oft fälschlicherweise eine Art von Sturheit oder Verbohrtheit. Für mich war der Stoizismus bis vor ein paar Jahren – zumindest bewusst – auch überhaupt kein Thema bzw. der Begriff „stoisch“ ziemlich abstrakt und nicht wirklich relevant. Als ich dann eines Tages zufällig darüber stolperte, dass ein äußerst populärer Kalenderspruch seinen Ursprung bei den alten Stoikern (etwa im Jahre 400 v. Chr.) hat, erwachte mein Interesse daran, mehr über die stoische Philosophie zu erfahren. Besagten Kalenderspruch wirst du – vielleicht in leicht abgewandelter Form – bestimmt auch kennen:

Gott gebe mir
die gelassene Gemütsruhe,
die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut,
die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und immer die Weisheit,
den Unterschied zu erkennen.

Gelassenheitsgebet, abgeleitet aus dem Encheiridion (Handbüchlein) von Epiktet (50 – 138)

Man kann sagen, dass das oben genannte Gelassenheitsgebet Dreh- und Angelpunkt des Stoizismus ist und der Wegweiser hin zu „ataraxia“, dem, was die Stoiker als Gemütsruhe bezeichnen. Das wollte ich auch haben: Gemütsruhe. Oder anders ausgedrückt, es schaffen, in mir zu ruhen, die Nerven behalten, wenn es mal brenzlig wird; gegenüber Provokationen, Beleidigungen und sonstigen Versuchen, mich aus der Ruhe zu bringen, quasi immun zu sein.

Ich suchte also nach Stoizismus-Literatur und stieß dabei auf „Die Weisheit der Stoiker“. Ein erstes Querlesen durch das Buch von Massimo Pigliucci machte mir schnell klar, dass ich es im wahrsten Sinne verschlingen wollte, auch wenn ich noch nicht wusste, ob ich am Ende alles verstanden haben würde.

Meine Meinung zum Buch

Bereits auf den ersten Seiten zerstreute sich meine Befürchtung, dass ich hier „lost in philosophy“ sein könnte. Das Buch wurde für mich der perfekte Einstieg in die stoische Philosophie, denn der Autor Massimo Pigliucci versteht es ausgesprochen gut, komplexe Sachverhalte und Gedanken in leicht verständliche Worte zu fassen. Hier ein kleiner Eindruck seiner Schreibweise:

„Worum es im Stoizismus geht, ist kurz gesagt Folgendes: dass wir im Leben Tugend und Vortrefflichkeit in dem Maße praktizieren, wie es die eigenen Fähigkeiten erlauben – dass wir also unser Bestes geben. (…) Einer seiner wichtigsten Grundsätze ist, dass wir den Unterschied zwischen dem, was für uns beherrschbar ist, und dem, was wir nicht kontrollieren können, erkennen und ernst nehmen sollten – und unsere Anstrengungen auf Ersteres konzentrieren, statt sie auf Letzteres zu verschwenden.“

Massimo Pigliucci, Die Weisheit der Stoiker, S. 11

Man darf den hohen Anspruch hinter diesen so einleuchtend formulierten Zeilen nicht unterschätzen und das macht Pigliuccis Buch für mich so wertvoll, weil es eben so verständlich erklärt. Hier eine kleine Kostprobe dessen, was den Stoizismus für mich so anspruchsvoll macht, wenn es um die sogenannte Dichotomie der Kontrolle geht:

Die Dichotomie der Kontrolle besagt, dass wir uns darauf konzentrieren sollten, worauf wir wirklich Einfluss haben – anstatt uns an Dingen abzuarbeiten, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Dichotomie bezeichnet eine Struktur aus zwei Teilen, die einander ohne Schnittmenge gegenüberstehen. Also in diesem Fall gibt es Dinge, die innerhalb ODER außerhalb unserer Kontrolle liegen:

Manche Dinge auf der Welt stehen in unserer Macht, während andere das nicht tun. Uns obliegen

  • unsere Urteilsfähigkeit
  • unser Antrieb
  • unser Begehren
  • unsere Aversionen

kurz, alles, was von unserem eigenen Handeln abhängt. Wohingegen unser Körper, unser Besitz, unser Ansehen und unsere offizielle Machtstellung nicht uns obliegen, also alles, was nicht von unserem eigenen Handeln abhängt. Überdies sind die Dinge, die uns obliegen, von Natur aus frei, ungehindert und ohne Zwang, während die Dinge, die uns nicht obliegen, machtlos, abhängig, erzwungen sind und nicht uns gehören. Behalte also folgendes im Sinn: Wenn du Dinge, die von Natur aus abhängig sind, für frei hältst und glaubst, dass Dinge, die nicht dir gehören, dein sind, wirst du enttäuscht, traurig und gequält sein, und du wirst an Göttern und Menschen Fehler finden. Wenn du aber das, was dir gehört, wirklich für dein Eigentum hältst und weißt, dass das, was dir nicht gehört, nicht dein ist, wie es auch tatsächlich der Fall ist, kann dich niemand nötigen, niemand behindern, du wirst niemanden tadeln, niemandem die Schuld geben, du wirst nicht eine einzige Aufgabe widerwillig erledigen, niemand wird dir ein Leid zufügen, du wirst keinen Feind haben, denn nichts schädliches wird dir je widerfahren. 

Über die Kunst der inneren Freiheit, Epiktet, S. 59-61

Ich zitiere hier Epiktet, einen antiken Philosophen der römischen Kaiserzeit und einen der einflussreichsten Begründer des Stoizismus aus dem Grund, weil Massimo Pigliucci ihn zum „Reiseführer“ seiner Reise durch den Stoizismus auserkoren hat, ihn in seinem Buch immer wieder zitiert und ihm je nach seiner eigenen Einschätzung beipflichtet oder auch widerspricht. Dass Pigliucci auf diese Weise dem Zweifel Raum lässt, war für mich streckenweise frustrierend, denn ich wollte zunächst Antworten und nicht Wahrscheinlichkeiten oder Möglichkeiten vorgesetzt bekommen. Doch Pigliucci kann sein Vorgehen zumindest gut begründen, wodurch ich schließlich auch einen großen Vorteil darin erkannt habe:

„Ein weiterer Grund dafür, Epiktet zu unserem Lotsen zu küren, liegt in der Tatsache, dass er mit mir in vielen Punkten nicht übereinstimmt. Dies gibt mir die Möglichkeit, die bemerkenswerte Flexibilität der stoischen Philosophie aufzuzeigen. Ihre Fähigkeit, sich an Zeiten und Orte anzupassen, die sich so stark voneinander unterscheiden wie das Rom des 2. und das New York des 21. Jahrhunderts.“

Massimo Pigliucci, Die Weisheit der Stoiker, S. 24

Tatsächlich ist es so, dass einem die stoische Philosophie einen verhältnismäßig großen Interpretationsspielraum läßt, was Pigliucci durch sein Zwiegespräch mit Epiktet sehr gut herauszuarbeiten vermag. Ob du das beim Lesen dieses Buches als Vor- oder Nachteil empfindest, soll deine Entscheidung sein, so oder so ist das Buch für mich der perfekte Einstieg in eine faszinierende Philosophie, die in der Lage ist, uns bei den wirklich großen Fragen des Lebens zu helfen: Was kann ich ändern und was entzieht sich meinem Einfluss? Wofür lohnt es sich, auf die Barrikaden zu gehen? Geht es mir wirklich um die Sache oder nur um meinen verletzten Stolz?

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Fazit

Wenn du über den Stoizismus noch gar nichts weißt, dann bietet dir das Buch „Die Weisheit der Stoiker“ von Massimo Pigliucci einen gut strukturierten und verständlichen Einstieg in das Thema. Doch auch, wenn du dich schon mit dem Stoizismus befasst hast, gibt dir das Buch interessante Denkanstöße und Impulse, weil der Autor die Aussagen führender Stoiker auch geschickt hinterfragt und nicht zu allem Ja und Amen sagt. Du wirst bei der Lektüre dieses Buches ganz bestimmt zum Nachdenken angeregt und musst keine vorgefertigten Antworten konsumieren. Für mich war „Die Weisheit der Stoiker“ eine Inspiration und vor allem Motivation, mich weiter in das Thema einzuarbeiten, insbesondere auch durch die Lektüre verschiedener Primärliteratur bekannter Vertreter des Stoizismus, wie z.B. Zenon, Diogenes, Epiktet, Seneca, Marc Aurel.

Weil auch Massimo Pigliucci sie in seinem Buch immer wieder zitiert, möchte ich an dieser Stelle noch zwei besonders interessante Literaturquellen nennen, die ich unmittelbar nach „Die Weisheit der Stoiker“ gelesen habe:

Titel:Über die Kunst der inneren Freiheit. Alte Weisheiten für ein Leben nach der Stoa.
Autor:Epiktet
Herausgeber:FinanzBuch Verlag (19. August 2019)
Seiten:224
ISBN 10:3959721870
ISBN-13978-3959721875
SpracheDeutsch
Titel:Selbstbetrachtungen
Autor:Marc Aurel (Neuübersetzung von Gregory Hays)
Herausgeber:FinanzBuch Verlag (15. September 2020)
Seiten:288
ISBN 10:3959723520
ISBN-13978-3959723527
SpracheDeutsch

Welche Bedeutung hat das Buch „Die Weisheit der Stoiker“ für das Abenteuer Midlife-Crisis“?

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn du im midlife-crisis-fähigen Alter oder gar in einer handfesten Midlife-Crisis bist, dann wirst du dir wahrscheinlich eine Menge Fragen stellen, auf die du dir nur schwer Antworten geben kannst: wie möchtest du deine zweite Lebenshälfte gestalten? Wie kann dein Leben glücklich und sinnerfüllt sein? Worauf kommt es wirklich an im Leben? Was überhaupt bedeutet Glück und Sinn für dich? Wie findest du zu echter inneren Ruhe? Wie gehst du mit Krankheit, Schicksalsschlägen, dem eigenen Leben und Sterben um, wie mit dem Tod geliebter Menschen? Natürlich sind das alles Fragen, die auch schon in jungen Jahren wichtig sind. Aber spätestens ab 50 kommen die Einschläge im Allgemeinen deutlich näher. Unsere verbleibenden Lebensjahrzehnte lassen sich an einer Hand abzählen. Die Beschäftigung mit dem Stoizismus, insbesondere auch das Buch „Die Weisheit der Stoiker“ hat mir in dieser Lebensphase wertvolle Impulse, Inspiration und Selbstvertrauen für mein persönliches „Abenteuer Midlife-Crisis“ gegeben.

Das soll’s für heute gewesen sein. Danke für dein Interesse, bis bald und herzliche Grüße,

Till Aigner

Level X Gründer und Autor. Motto: Die Midlife-Crisis als Chance und Abenteuer begreifen.

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