Warum die Midlife-Crisis ein Abenteuer sein kann. 

Wenn du den zurückliegenden Tagebucheintrag meiner Midlife-Crisis Ich bin definitiv zu cool für die Weight Watchers gelesen hast, dann erwartest du jetzt bestimmt die Auflösung über mein kleines WW-Geheimnis und ob ich es tatsächlich gewagt habe, mich unter den Augen fettleibiger Leidensgenossen und -genossinnen – letztere vermutete ich jedenfalls in der Überzahl – Woche für Woche auf die Waage zu stellen, um mich dann im Stuhlkreis sitzend einem peinlichen Seelenstriptease über den Kampf gegen meine Pfunde hinzugeben. 

Sorry, wenn ich dich da vertrösten muss. Ich werde dazu auf jeden Fall noch was schreiben, aber nicht heute. Ich möchte nämlich nicht den Eindruck erwecken, (m)eine Midlife-Crisis dreht sich nur um den eigenen Körper, Schönheits- und Fitnesswahn und darum, wie man sich in der Mitte des Lebens nochmal einigermaßen aufmöbeln kann.

Denken, denken und nochmals denken. Wer die Midlife-Crisis als Chance sehen will, der darf dabei seinen Kopf als das wichtigste Instrument betrachten.
Denken, denken und nochmals denken. Wer die Midlife-Crisis als Chance sehen will, der darf dabei seinen Kopf als das wichtigste Instrument betrachten.

Im Gegenteil: Die Midlife-Crisis ist eine Kopfsache, und sie kann sich auf alles erstrecken, was unser Leben ausmacht. Vielleicht hast du – vor allem wenn du im midlife-crisis-fähigen Alter bist – auch schon die Erfahrung gemacht, dass du manchmal von einem Gedanken zum nächsten springst und dabei das Gefühl bekommst, als würde dein Bewusstsein alles Mögliche auf den Prüfstand stellen, was du bisher als gegeben hingenommen hast. Da können dann die verrücktesten Fragen aufgeworfen werden: 

Wohne ich noch am richtigen Ort? Lebe ich mit dem oder den richtigen Menschen zusammen? Habe ich die richtigen Freunde? Habe ich den richtigen Beruf? Welchen Sinn hat mein Beruf? Kann ich noch die Religion vertreten, die mir meine Eltern in die Wiege gelegt haben? Lebe ich das Leben, was ich wirklich leben wollte? Welches Leben will ich denn überhaupt leben? Hatte oder habe ich je eine Wahl? Ach du Sch…., wo sollen all diese Gedanken noch hinführen? Hätte ich diese Büchse der Pandora bloß nie aufgemacht und gar nicht erst angefangen, über all das nachzudenken, mag sich der eine oder die andere selbst zum Vorwurf machen.  

Was ist schon so schlimm an einem Halbzeit-Check?

Aber Midlife-Crisis hin oder her. Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn du spätestens auf der Hälfte deiner Reise durchs Leben eine persönliche Standortbestimmung vornimmst? Wenn du eine längere Reise durch unbekanntes Terrain unternimmst, würdest du doch zwischendurch auch schauen, ob du noch auf der richtigen Route bist. Und um das zu beurteilen, solltest du zumindest wissen, wohin du willst und wo du gerade bist.

Optimalerweise stellst du fest, dass du grundsätzlich auf dem richtigen Weg bist. Dann weiter so. Vielleicht bist du auch etwas vom Kurs abgekommen und nach ein paar Korrekturen bist du schon wieder auf dem richtigen Pfad. Vielleicht kommst du auch zu der Erkenntnis, dass du dich total verlaufen hast. Dann würde sich die Frage stellen, woran es liegt. Hast du überhaupt gewusst, wohin du wolltest und bist nur in die falsche Richtung marschiert? Oder hattest du gar kein konkretes Ziel und hast an jeder Gabelung oder Kreuzung spontan entschieden, in welche Richtung du gehen willst. Selbst dann würde es doch Sinn machen, jetzt einmal kurz inne zu halten und dich zu fragen, ob das noch die richtige Strategie ist. 

Ich kenne persönlich Menschen, die es übertrieben und unnötig stressig finden, wenn man zu viel plant und ständig irgendein Ziel oder gar mehrere Ziele verfolgt. Warum nicht einfach ganz entspannt die Dinge auf sich zukommen lassen?

Ein empfehlenswertes Buch, wenn du Aufbruchsstimmung verspürst, aber noch nicht ganz die Kurve bekommst.

Wenn du nicht für dich selbst planst, tun es andere.

In seinem Buch „Von normal zu genial“ zitiert Autor Dr. Ulrich G. Strunz in diesem Zusammenhang den US-amerikanischen Unternehmer und Motivationstrainer Jim Rohn:

„If you don’t design your own life plan, chances are you’ll fall into someone else’s plan. And guess what they have planned for you? Not much.“ Zu Deutsch: „Wenn du dir nicht deinen eigenen Lebensplan entwirfst, fällst du wahrscheinlich in den Plan von anderen. Und was, glaubst du, werden sie für dich vorgesehen haben? Nicht viel.“

Strunz konstatiert, dass es Menschen gibt, die bereits seit ihrer Kindheit klare Vorstellungen von ihrer Zukunft haben. Andere täten sich selbst im Erwachsenenalter schwer, konkrete Vorstellungen über ihren Lebensweg oder gar eine Vision zu entwickeln.

Zu welcher Gruppe würdest du dich zählen, Planer oder Nicht-Planer?

Schlägt die Midlife-Crisis bei den Planern stärker zu?

Neulich hatte ich bei unserem Asiaten um die Ecke folgenden Spruch in meinem Glückskeks:

„Je mehr ein Mensch plant, desto härter trifft ihn der Zufall.“

Naja, ob man an Zufälle glaubt oder nicht, ich würde es eher so formulieren: Je mehr ein Mensch plant, desto mehr trifft es ihn, wenn es anders kommt als geplant. Ja, natürlich besteht immer das Risiko, dass nicht alles so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Aber sollte das ein Grund sein, dass du dir deshalb gar nichts mehr vorstellst und gar nichts mehr planst?

Ich gehöre definitiv zu den Planern und es motiviert mich, mir immer wieder neue und anspruchsvolle Ziele zu setzen. Die sollten halt nur im Einklang mit meinem gesamten Lebensentwurf stehen. Und genau der steht ja in der Midlife-Crisis auf dem Prüfstand. Ich glaube, was eine Midlife-Crisis schwierig oder – positiver ausgedrückt – zum Abenteuer machen kann, ist der Umstand, dass du zwar über vieles nachdenkst, aber nicht bei allem sofort zu einem Ergebnis kommst oder kommen musst. Eine Midlife-Crisis bedeutet nicht automatisch, Dinge radikal über den Haufen zu werfen, sondern auf Entdeckungs- und Erkenntnistour zu gehen:

Wo liegen eigentlich deine Stärken und Interessen? Was kannst du besonders gut? Was wolltest du schon immer machen? Gibt es überhaupt Dinge, die du ändern willst? Wenn ja, welche, warum und in welchem Ausmaß? Und wie sollst du anfangen? Oder solltest du doch lieber alles so lassen wie es ist?

Was bei mir gut funktioniert hat, ist der Weg der kleinen Schritte. Groß denken und dann in kleinen Teilen kontinuierlich handeln. Ich nenne das auch gern den „Forrest Gump Weg“. Er beginnt mit einer kleinen Idee und kann dich an ein wirklich großes Ziel führen. Ich habe diesen Weg in meinem Beitrag Lauf Forrest, lauf! beschrieben. Vielleicht kann er dich auch inspirieren … 

Sorry, dieser kleine Exkurs heute war mir wichtig. In meinem Beitrag Mein erster Weight Watchers Treff – eine dicke Überraschung erfährst du, ob es für mich jemals ein Leben mit den Weight Watchers gab.

Das soll es für heute erstmal gewesen sein. Danke für dein Interesse, bis bald und herzliche Grüße,

Till Aigner

Level X Gründer und Autor. Motto: Die Midlife-Crisis als Chance und Abenteuer begreifen.

Abonniere meinen Newsletter

In meinem Newsletter informiere ich dich über neue Beiträge auf Level X!

Schreibe einen Kommentar

41 − 35 =

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner