Woran erkenne ich (m)eine Midlife-Crisis?

Krise, Chance, Abenteuer – Oder wie man die Midlife-Crisis sportlich nimmt.

Ist bei dir alles wie immer? Fällt dir nichts an dir auf? Also rein gar nichts? Dann kannst du gern einen Bogen um diesen Artikel machen. Er wird dir nicht viel sagen. Wenn es dir aber geht wie mir und du denkst und handelst gerade irgendwie anders als früher, machst vielleicht komische Sachen und fragst dich, warum, dann hat dich möglicherweise die Midlife-Crisis erwischt.

Seit einiger Zeit gehen mir Gedanken durch den Kopf, die mir irgendwie neu sind. Ich entwickle neue Sicht- und Verhaltensweisen, Ambitionen und Pläne. Ich hinterfrage Dinge, die mir bisher selbstverständlich erschienen. Erst fiel mir das gar nicht so auf, aber dann merkte ich, dass sich das häuft. Ich lese klassische und philosophische Literatur, Biografien und Fachbücher aller Art, ernähre mich gesund und treibe regelmäßig Sport. Für manch einen mag das völlig normal sein. Auf meine Kumpels, die mich schon mein Leben lang kennen, hat dies allerdings zu Beginn eher eine etwas irritierende Wirkung gehabt, denn so war ich noch nicht immer. Als mir dann klar wurde, dass ja die berühmt-berüchtigte FÜNFZIG an meinem persönlichen Lebenshorizont aufgetaucht ist und ich sie auch ohne Fernglas schon sehr deutlich erkennen kann, fragte ich mich neulich: „Bin ich etwa in der Midlife-Crisis?“ und … 

“Woran erkenne ich eigentlich eine Midlife-Crisis?”

In meinem Alter wäre ich gerade in einem äußerst typischen Lebensabschnitt, um in solch einer “Lebensmitte-Krise” zu stecken, wie man sie zu deutsch etwas sperrig bezeichnet. Wobei mir der Begriff „Krise“ in meinem persönlichem Fall eigentlich viel zu dramatisch und drastisch klingt. Nicht überall, wo „Krise“ oder „Crisis“ draufsteht, muss selbige drin sein. Also habe ich mal nachgelesen …

Midlife-Crisis ist, wenn man sich fragt, ob alles so bleiben soll, wie es bisher war oder ob man in der zweiten Lebenshälfte nicht doch nochmal neue Wege geht.
Midlife-Crisis ist, wenn man sich fragt, ob alles so bleiben soll, wie es bisher war oder ob man in der zweiten Lebenshälfte nicht doch nochmal neue Wege geht. Für manch einen ist es reines Feintuning, andere wollen sich ganz neu erfinden.

Definition einer Midlife-Crisis

Laut Definition stellt eine Krise den Höhepunkt oder Wendepunkt einer gefährlichen Konfliktentwicklung dar. Dem geht in der Regel eine massive und problematische Funktionsstörung voraus, die über einen gewissen Zeitraum andauert. Die Midlife-Crisis bzw. die Lebensmitte-Krise wird in der Literatur als eine existentielle Krise, als ein psychischer Zustand der Unsicherheit beschrieben, die im Alter von etwa 30 – 55 Jahren auftreten kann. Da es sich bei der Midlife-Crisis nicht um eine Krankheit handelt, spricht man nicht von Symptomen, sondern eher von Beschwerden, welche sich meist in Stimmungsschwankungen, Grübeleien, innerer Unsicherheit und Unzufrieden­heit mit dem bisher Erreichten äußern. Möchtest du mehr über Ursache, Wirkung und Verlauf einer Midlife-Crisis erfahren? Dann lies im Level X Faktencheck interessante Infos dazu nach.

Mein Versuch, die Midlife-Crisis mal ganz einfach zu erklären. 

Vereinfacht ausgedrückt basiert eine Midlife-Crisis auf etwas, was ich mit der Halbzeitpause beim Fußballspiel ver­gleichen würde. Die Mannschaft hat die erste Halbzeit hinter sich gebracht. Jetzt geht’s mit dem Trainer in die Kabine und es wird Bilanz gezogen. Wie lief die erste Halbzeit? Wie haben wir uns geschlagen? Konnten wir das umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten? Was hatten wir uns überhaupt vorgenommen? Konnten wir die Heraus­forderungen, die sich uns gestellt haben, erfolgreich meistern? Wenn nicht, dann bleibt uns jetzt nur noch die zweite Halbzeit, um den Pokal nach Hause zu holen.

Die Midlife-Crisis ist wie der Beginn der zweiten Halbzeit.
Ab in die Kabine und Halbzeitbilanz ziehen. Etwas in dieser Art gibt es auch im echten Leben. Zentrale Frage dabei: Wie soll die zweite Halbzeit aussehen? Weiter so oder Strategiewechsel? Diese Fragen stellen sich viele in der Midlife-Crisis.

“Leute, wenn ihr in der zweiten Hälfte nicht endlich eure Ärsche in Bewegung setzt, dann haben wir’s voll vermasselt!”

Im echten Leben haben wir in der Regel keine echte Halbzeitpause, sondern die erste Halbzeit geht unmittelbar in die zweite über. Wir haben auch keinen Trainer, der uns entweder lobt und anspornt, weiterhin so gut zu spielen wie bisher oder der uns eins auf die Mütze gibt, weil wir die erste Halbzeit im Prinzip verkackt haben. “Leute, wenn ihr in der zweiten Hälfte nicht endlich eure Ärsche in Bewegung setzt, dann haben wir’s voll vermasselt!” Nun gut, im echten Leben ist es deutlich komplexer. Es geht in diesem Sinne nicht um Sieg oder Niederlage und es winkt am Ende weder ein Pokal, noch gibt es eine Bundesligaliste, in der ich auf- oder absteige. Aber so etwas wie eine Halbzeit, in der Bilanz gezogen wird, die gibt es gefühlt auch im echten Leben. Da zwar unsere Geburt, nicht aber unser bevorstehende Tod eindeutig datiert ist (zum Glück, wie ich finde), können wir natürlich nicht wissen, wann unsere persönliche Halbzeit tatsächlich gekommen ist. Wenn wir die aber irgendwo zwischen 30 und 50 verorten, liegen wir wahrscheinlich gar nicht so schlecht.

Zurück auf dem Spielfeld – Motiviert, ängstlich oder planlos?

Ich habe bei vielen Altersgenossen, insbesondere bei der männlichen, aber auch bei der weiblichen Spezies, bisweilen das Gefühl, dass sie sich so verhalten, als kämen sie geradewegs aus ihrer Halbzeitpause und kehren nun zurück aufs Spielfeld. Die einen voller Elan und Enthusiasmus, wild entschlossen, in der zweiten Spielhälfte nochmal so richtig Dampf zu machen, das Ruder rumzureißen und alles aus sich raus zu holen, mit neuen Ideen, neuer Strategie und klarer Vision. Es sind nur noch 45 Minuten zu spielen, da muss und wird sich alles entscheiden. Es gibt nur noch diese eine Chance, das Spiel zu seinen Gunsten zu beenden. Der Abpfiff wird kommen. Auf eine Verlängerung sollte man nicht hoffen.

Auf die zweite Halbzeit. Die Gefühle in der Midlife-Crisis können sehr unterschiedlich sein.
Auf in die zweite Halbzeit. Die Gefühle in der Midlife-Crisis können sehr unterschiedlich sein.

Andere hingegen kommen ein wenig verhaltener zurück. Da meint man, in der Pause hat sich bei ihnen gedanklich und motivatorisch nicht viel getan. Ihre Devise heißt schlicht: “Weiter so!” Gut, wenn sie das Gefühl haben, nichts ändern zu müssen, weil die erste Hälfte super lief, warum sollten sie dann etwas ändern? Wieder andere wirken ängstlich, unsicher und überfordert oder sogar planlos bis verzweifelt. Sie haben zwar das Gefühl, sie müssten jetzt nochmal irgendetwas ändern, aber es fehlt die Idee, eine klare Zielsetzung, eine Vision, wie der Verlauf und das Ende der zweiten Hälfte überhaupt aussehen sollte. 

Ach du dickes Ei, auch ich bin ja sterblich!

Ich bin froh, dass das Leben kein Fußballspiel ist, denn darin war ich nie besonders gut. Fußball interessiert mich auch bis heute nicht wirklich. Ich möchte das wahre Leben durch meinen Vergleich auch nicht verharmlosen oder trivialisieren. Im Endeffekt geht es bei der Midlife-Crisis schließlich auch um die Bewusstwerdung der eigenen Sterblichkeit. Während Menschen in der ersten Lebenshälfte meist noch das Gefühl haben, sie hätten unendlich viel Zeit, um ihre Träume zur verwirklichen, wird ihnen irgendwann ab 30, 40, spätestens 50 klar, dass ihre Zeit eben nicht unendlich ist. Damit verbindet sich dann die Frage: “Soll es das jetzt gewesen sein? Kommt da noch was, wenn ja, was und wie gehe ich es an?” Bei vielen Menschen hat diese Lebensphase tatsächlich etwas krisenhaftes und die Betroffenen leiden darunter. 

Mein Weg in die Midlife-Crisis

Ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich laut Definition auch in einer Midlife-Crisis stecke. Wann und wie ich dort hineingeraten bin, wie groß mein Leidensdruck ist und wie meine Lösungsansätze aussehen, das erzähle ich in meinem ersten Tagebucheintrag zu meiner Midlife-Crisis. Da wird es dann schon ziemlich persönlich, denn in dem Moment, den ich im Nachhinein als den wichtigsten Auslöser sehen würde, war ich so gut wie nackt und stand voll auf dem Präsentierteller. Jetzt weiterlesen …

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