Literaturtipps - Meine besten Bücher für die Midlife-Crisis

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Von MTV nach Mekka

- Wie der Islam mein Leben veränderte
 Autor: Kristiane Backer  Kategorie: Biografie, Bücher  Verl. / Hrsg.: Ullstein Buchverlage GmbH  Veröffentl.: 2009  ISBN: 978-3-471-30009-1  Seiten: 330  Land: Deutschland  Sprache: Deutsch
 Beschreibung:

Auf der Suche nach innerer Zufriedenheit und Lebenssinn.

Ich habe vor einiger Zeit das Buch „Von MTV nach Mekka“ gelesen. Es wurde von Kristiane Backer geschrieben. Sie war von Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre die erste deutsche Moderatorin beim Musiksender MTV und erlangte dort internationalen Kultstatus. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verlor sie den Sinn und Bezug zu der Glitzer- und Glamourwelt, in der sie sich bewegte und über die sie berichtete. Sie suchte innere Zufriedenheit und Lebenssinn im Islam, zu dem sie 1995 konvertierte.

Meine persönliche Begegnung mit Kristiane Backer

Mitte der 2000er kreuzten sich unsere Wege aus beruflichem Anlass, so dass ich sie persönlich kennenlernen und für ein paar Jahre mit ihr zusammenarbeiten durfte. Das war insofern eine ganz besondere Erfahrung für mich, als dass sie mich in ihrer Rolle als MTV Moderatorin durch meine halbe Jugend begleitet hatte. Wenn ich heute an die Zeit zurückdenke, als wir in den 80er Jahren zu Hause Kabelfernsehen bekamen und das erste Mal MTV durch mein Zimmer flimmerte, bekomme ich heute noch richtig nostalgische Gefühle. Als ich Kristiane persönlich kennenlernte war ich Anfang 30. Ich erinnere mich, dass ich zu dieser Zeit überhaupt nicht verstehen konnte, warum sie ihr Leben in der Showbranche aufgegeben hatte. Für mich gehörte Kristiane Backer damals zu MTV wie einst Michael Knight in den Knight Rider, Huckleberry Hawke in den Airwolf oder Liselotte Pulver aka „Lilo“ in die Sesamstraße. Nachfolgend ein paar Impressionen aus den alten MTV Zeiten (1992):

MTV EUROPE 1992 (Coca Cola Report with Kristiane Backer + MTV At The Movies with Pip Dann)


MTV – Medium meiner Jugend

Ray Cokes, Steve Blame, Paul King und natürlich: Kristiane Backer – das waren die Galionsfiguren des damals noch relativ jungen Musikfernsehsenders MTV und sie führten als Moderatoren ihr ebenfalls junges Publikum durch eine ganz neue Art von musikalischem Entertainment, den Videoclips, kleinen Filmchen, die speziell für die Songs produziert wurden. Heute eine Selbstverständlichkeit, damals eine Revolution! Nicht umsonst hieß der erste Videoclip, der am 1. August 1981 um 00:01 Uhr zum offiziellen Start von MTV in den USA gespielt wurde: Video Killed the Radiostar (von den Buggles). MTV Europe – das war dann meine Zeit – ging 6 Jahre später, 1987, an den Start. Damals war ich 14 Jahre alt. Doch ich schweife ab. Es geht ja hier schließlich nicht um meine Jugend vor der Glotze bei MTV, sondern um Kristiane Backer und ihr Buch.

Offizielles Musikvideo von den Buggles: Video Killed the Radiostar.

Vom Staubfänger zur faszinierenden Lektüre

2009 schenkte mir Kristiane ihr Buch „Von MTV nach Mekka“. Ich muss gestehen, dass es danach gute 12 Jahre in meinem Bücherregal stand, ohne dass ich es gelesen habe ( – sorry, Kristiane). Irgendwie fand ich es toll, das Buch „meiner“ MTV Ikone mit persönlicher Widmung zu besitzen. Aber die darin beschriebenen Themen, insbesondere „Innere Zufriedenheit“ und „Lebenssinn“ erschienen mir lange Zeit keine Relevanz für mich und mein Leben zu haben. Ich war zufrieden. Eines Tages verspürte ich dann aber einen Impuls, der mich das Buch aus dem Regal greifen lies. Erst im Nachhinein realisierte ich, dass dieser Impuls etwas mit meiner aufkeimenden Midlife-Crisis zu tun hatte. In verhältnismäßig kurzer Zeit las ich es mit großem Interesse und war sehr beeindruckt. Stellenweise war es für mich schwer nachvollziehbar, mit welcher Intensität, mit welcher Überzeugung und mit welchem Enthusiasmus sie quasi von heute auf morgen in eine für sie bisher fremde Welt und Kultur eingetaucht ist und ihren Seelenfrieden gefunden hat, indem sie sich – zumindest aus meiner Sicht – sehr strengen Regeln unterwarf.

Der Weg in ein religiöses Leben

Sie selbst würde den Begriff „unterwerfen“ natürlich nicht verwenden, aber beim Lesen entstand bei mir doch des öfteren der Eindruck, dass sie die Religion nicht nur überaus ernst nahm und ihr vieles streng unterordnete. Sie nahm ihre neue Religion so ernst, dass sie aus meiner Sicht eines Nicht-Moslems schon sehr viele Freiheiten und Errungenschaften eines westeuropäisch geprägten Menschen aufgab. Aber das ist jetzt natürlich eine recht kulturrelativistische Sichtweise von mir. Ganz offensichtlich fand sie absolute Erfüllung im Islam, hinterfragte aber vieles auch kritisch und engagierte sich sogar im interreligiösen Austausch.

In der Sendung von Markus Lanz sprach Kristiane Backer über ihre Sinnsuche, das Eintauchen in Religion und ihr Konvertieren zum Islam.


Finden wir Lebenssinn in Religion?

Ich bin in bzw. mit der katholischen Kirche aufgewachsen, habe in meiner Kindheit und Jugend viel Zeit mit der Gemeinde und in der Kirche verbracht und habe mich dort jahrelang ehrenamtlich engagiert. Es gab aus religiöser Perspektive lange Zeit für mich nur diese eine katholisch kirchlich geprägte Sichtweise. Ich habe nur positive Erinnerungen an diese Zeiten und möchte sie nicht missen. Ich denke immer wieder gern zurück, insbesondere auch an die vielen Begegnungen mit Menschen, mit denen ich heute noch freundschaftlich sehr verbunden bin. Doch mittlerweile sehe ich das Thema Kirche und Religion deutlich kritischer. Ich finde es problematisch, wenn Religion institutionalisiert und durch die Institution dann mit Dogmen belegt wird.

Religion als freie Wahl und verlässliche Konstante?

Natürlich braucht jede Religion ihre festen Eckpfeiler, die ihren Anhängern als Orientierung dienen. Und es ist auch nachvollziehbar, dass die Kirchenoberhäupter eher starr in ihrer Entwicklungsbereitschaft sind. Wenn die Kirche sofort jedem Trend folgen würde, wie könnte sie dann noch ein Orientierungspunkt in einer sich immer rasanter entwickelnden Welt sein? Woran sollten die Menschen glauben, wenn sich die Vorgaben in viel zu kurzen Abständen ändern würden? Ich möchte sehr gern an etwas glauben und tue das auch. Aber ob es exakt dem entspricht, was mich die katholische Kirche gelehrt hat? Um eine Antwort darauf zu geben, müsste ich wahrscheinlich seitenweise schreiben, nachdem ich in großen Mengen bewusstseinserweiternde Substanzen aufgenommen habe, denn schließlich betrachte ich mich selbst als ziemlich verstrahlt, was meinen Glauben betrifft. Es ist alles andere als leicht, einer Religion (oder schon der Institution Kirche als solche) abzuschwören oder sich zumindest von ihr zu distanzieren oder Alternativen in Betracht zu ziehen, wenn man geradewegs in sie hineingeboren wurde und in ihr und mit ihr aufgewachsen ist. Ich bin echt kein abergläubischer Mensch, aber wenn ich eines Tages in Betracht ziehen sollte, aus der Kirche auszutreten, täte ich dies mit der Furcht, dass dann mir oder meiner Familie irgendetwas Schreckliches widerfahren könnte. Ich weiß, das klingt irgendwie irre, aber ich kann mich von diesem Gefühl nicht ganz frei machen.

Gutes bewirken, Schlechtes verhindern und dem Weg des Herzens folgen.

Bei allem Nachdenken darüber, welcher Religion man nun am besten angehören sollte oder ob es überhaupt gut oder schlecht ist, religiös zu sein, freute ich mich, als ich am Ende des Buches von Kristiane folgende versöhnliche Passage las, der ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen habe:

“ (…) Aber wer Antworten auf die großen essentiellen Fragen – woher wir kommen , der Sinn des Lebens, wohin wir gehen – und eine spirituelle Praxis sucht, die leicht zu erschließen ist, für den ist der Islam ein wunderbarer Weg. Obwohl, nicht der einzige. Alle Religionen sind für mich Facetten ein- und derselben Wahrheit. Sie lehren in der Essenz das Gleiche und führen letztlich zum selben Ziel. (…) Letzten Endes kommt es darauf an, dass wir Gutes bewirken und Schlechtes verhindern. Entscheidend ist dabei nicht, welchen religiösen Weg wir wählen. Entscheidend ist, dass es der Weg des Herzens ist.“ (S. 293)

Das Buch endet mit dem folgenden Text von Dschalaluddin Rumi, der noch einmal aufzeigt, welche Relevanz die einzelnen Religionen bei der Suche nach Gott haben:

„Ich habe versucht, ihn am christlichen Kreuz zu finden , aber er war nicht da. Ich ging zur Kaaba nach Mekka, aber da war er auch nicht. Ich ging zur alten Kanisa (Synagoge) und dem Tempel der Hindus, aber ich konnte nirgends eine Spur von ihm finden. Ich befragte die Gelehrten und Philosophen, aber er überstieg ihr Verständnis! Dann schaute ich in mein Herz, und da, wo er wohnte, da fand ich ihn. Sonst war er nirgends zu finden.“ (S. 295, Zitat von Dschalaluddin Rumi)

Neue Auflage des Buches

Das Buch, welches mir Kristiane damals schenkte, ist 2009 im Ullstein Verlag erschienen und trägt die ISBN Nummer 9783471300091. Es ist in dieser Version bei Amazon erhältlich Ich habe nachfolgend das Cover meines Buches fotografiert:

Buch von Kristiane Backer Von MTV nach Mekka in der Auflage von 2009 bei Amazon öffnen
Buch von Kristiane Backer „Von MTV nach Mekka“ in der Auflage von 2009
Neuen Auflage (2018) von Von MTV nach Mekka von Kristiane Backer bei Amazon öffnen
Buch von Kristiane Backer „Von MTV nach Mekka“ in der Auflage von 2018

Offensichtlich gibt es auch eine Neuauflage des Buches, welches 2018 unter der ISBN Nummer 1731038666 herausgegeben wurde. Auch dieses ist bei Amazon erhältlich, hat jedoch ein anderes Cover und trägt einen modifizierten Untertitel. Hier heißt es nicht mehr „Wie der Islam mein Leben veränderte“, sondern „Wie der Islam mein Leben inspirierte“. Zudem trägt Kristiane Backer auf dem neuen Cover ein Kopftuch. Da ich das Buch in dieser neuen Auflage noch nicht gelesen habe, kann ich auch nichts darüber sagen, inwieweit es sich auch inhaltlich weiterentwickelt hat. Es wäre interessant, das einmal herauszufinden. Wer dazu jetzt schon etwas sagen kann, möge mir doch bitte eine Email an till@levelx.team senden.

Fazit

Das Buch „Von MTV nach Mekka“ hat mir beim Lesen Spaß gemacht, weil es natürlich viele interessante Anekdoten aus der alten MTV Zeit beinhaltet, als ich selbst noch im jugendlichen Alter war. Aber auch, weil die Autorin sehr unterhaltsam und gleichzeitig sehr tiefgründig und geistreich über ihr bewegtes und spannendes Leben schreibt und über ihr Eintauchen in eine für sie völlig neue Kultur und Religion. Dass sie dies mit großer Offenheit und Begeisterung, jedoch ohne jede missionarische Tendenz und ohne erhobenen Zeigefinger tut, zeichnet das Buch für mich in besonderer Weise aus. Es bleibt immer Raum für die eigenen, auch kritischen Gedanken. Es muss nicht gleich das Konvertieren in eine neue Religion oder der Schritt in ein völlig neues Leben sein, aber dieses Buch ist für alle Menschen zu empfehlen, die auf der Suche nach Sinn sind und dabei gern einmal über den eigenen Tellerrand schauen. Es ist auch für Menschen zu empfehlen, denen vielleicht noch ein kleiner Impuls, die passende Inspiration oder Motivation fehlt, um kleinere oder größere Dinge in ihrem Leben zu verändern.

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