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Da kommt noch was – Not dead yet: Die Autobiographie

 Autor: Phil Collins  Kategorie: Biografie, Bücher  Verl. / Hrsg.: Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition  Veröffentl.: 2016  ISBN: 3453201213  ISBN-13: 978-3453201217  Seiten: 528
 Beschreibung:

Phil Collins‘ Abrechnung mit dem eigenen Leben.

Es gibt Biografien, da kennt man oft schon vieles aus dem Leben der Personen, so dass es keine großen Aha-Effekte oder Überraschungsmomente gibt. Doch es gibt auch immer wieder Menschen, die kennt man schon sein ganzes Leben lang aus Presse, Radio, Fernsehen, etc. und weiß ansonsten eigentlich gar nichts über sie. Diese Erkenntnis war auch der Grund, weshalb ich den Artikel Warum wir mehr Biografien lesen sollten geschrieben habe.

Was mich bislang am stärksten beeindruckt hat, war die „Phil Collins Biographie“ mit dem Titel „Da kommt noch was. Not dead yet“. Collins kennt wahrscheinlich so ziemlich jeder meiner Generation, ich stelle ihn trotzdem kurz vor: Er ist Schlagzeuger Sänger, Songwriter, Produzent und Schauspieler und wurde sowohl als Mitglied der Rockband Genesis als auch als Solokünstler bekannt.

Ganz gleich, wie man zu Phil Collins steht, dieses Lied wird so ziemlich jeder meiner Generation schon mindestens einmal gehört haben. „In the Air tonight“ war die erste Single aus seinem Debut-Solo-Album „Face Value“ von 1981.


Phil Collins gehört mit über 150 Millionen verkauften Tonträgern (plus 150 Millionen mit Genesis) zu den weltweit erfolgreichsten Musikern. Seine Autobiografie gehört für mich zu den ehrlichsten und schonungslosesten Abrechnungen mit dem eigenen Leben. Die folgende Passage gibt einen guten Eindruck davon, wie hart Collins mit sich selbst ins Gericht geht:

Ich trage gegenüber jedem meiner Kinder eine Schuld. Offen gesagt: Ich trage die Schuld an allem. Die langen Phasen meiner Abwesenheit, all die Augenblicke, die ich verpasst habe, all die Zeiten, in denen eine Tour oder ein Album dem häuslichen Glück oder der Rettung dieses Glücks im Wege standen. Die Musik hat mir alles gegeben, aber sie hat mir auch alles genommen.  

Phil Collins, Da kommt noch was – Not dead yet, S. 512

Bei dem letzten Satz lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Da hat jemand ein Leben lang außerordentlich erfolgreich das getan, wofür er sich bestimmt fühlte und muss dann irgendwann die Aussage treffen, dass ihm das alles gegeben, aber auch alles genommen hat. Man kann das nur nachvollziehen, wenn man jede einzelne Seite des Buches gelesen hat, was aufgrund des spannenden und ereignisreichen Lebens von Phil Collins eine sehr kurzweilige Angelegenheit, aber keinesfalls leichte Kost ist. Dass er mit über 50 Jahren zum Schwerstalkoholiker geworden ist, der sich fast zu Tode getrunken hat und seine Abstürze und seinen schmerzhaften Entzug in jeder Einzelheit schildert, empfand ich streckenweise schon fast verstörend. Es wird für ihn alles andere als leicht gewesen sein, dass alles so detailliert aufzuschreiben oder aufschreiben zu lassen, aber im Ergebnis ist eine der offensten oder ehrlichsten Biografien, die ich bisher gelesen habe.

Biografien zur Verarbeitung und Vergebung?

Ob Biografie-Autoren wie Phil Collins auch im Sinn haben, dass ihnen Absolution erteilt wird, weiß ich nicht. Es klingt bei ihm streckenweise ein wenig danach, weil er immer wieder Erklärungsversuche unternimmt, warum er in dieser oder jenen Situation so oder so gehandelt hat oder meinte, nicht anders handeln zu können oder dachte, es wird schon klappen und am Ende schließlich von der Schuld spricht, die er gegenüber seinen Kindern und seiner Familie trägt, wie z.B. in diesen Passagen:

Während ich fast vier Jahrzehnte lang nahezu unablässig weltweit unterwegs war, mit Genesis und als Solokünstler, hielt ich die Fiktion aufrecht, dass ich eine solide Existenz als Familienvater führen und gleichzeitig meine Karriere als Musiker weiterverfolgen könnte.

Phil Collins, Da kommt noch was – Not dead yet, S. 41

Nichtsdestoweniger, man mag es glauben oder nicht, bin ich immer noch verzweifelt darum bemüht, alles unter einen Hut zu bringen – unsere Ehe, unsere Familie, unser neues Zuhause, unsere Band. Ich lasse einen Teller in der Luft kreisen und muss dabei zusehen, wie ein anderer zu Boden fällt.

Phil Collins, Da kommt noch was – Not dead yet, S. 212

Ich bitte Jo und Simon hier und jetzt um Entschuldigung für meine Selbstsucht. Damals kam ich das nicht so schlimm vor, ehrlich, vor allem da ich an einer anderen Front zu kämpfen hatte.

Phil Collins, Da kommt noch was – Not dead yet, S. 318

Es gäbe noch etliche Passagen mehr, die sich offen oder auch nur zwischen den Zeilen wie die Bitte um Vergebung lesen. Ich glaube, wenn man sich Gedanken über den Sinn des Lebens macht oder in der Midlife-Crisis damit hadert, welche Richtung man in seiner zweiten Lebenshälfte einschlagen will, dann können insbesondere diese Art von Biografien heilsam sein. Denn wenn wir das Pferd einmal von hinten aufzäumen bzw. das Leben vom Ende her betrachten, dann ist der Gedanke, eines Tages solche Schuldgefühle zu haben und sich öffentlich bei seiner Familie für seine Egozentrik und Selbstsucht entschuldigen zu müssen, doch sehr unbehaglich.

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